24. Dezember 2008

TORRES DEL PAINE 2

Wenn mich jemand fragt,
Wo´s am schoensten sei,
sag´ich:
"Tief im Inneren".



4. Etappe von Los Perros bis zum Refugio Grey

Heute ist der Tag der Tage bei der Torres-Umkreisung ("Cirquito"). Es soll sich angeblich um die Koenigs-Etappe handeln, weil dieser Abschnitt am haertesten, aber auch am schoensten sei.

Na, mal sehen, was da auf mich zukommt. Ich breche vorsichtshalber schon um 6.45 Uhr auf, verlasse das Campamento, will den Fluss ueberqueren, und schon seh´ich die Bescherung.





Diese Bruecke sieht nicht nur so aus, als ob sie bald den Geist aufgibt, sie wird es auch demnaechst. Hoffentlich nicht jetzt!

Als ich vorsichtig ´raufgehe, tanzt sie hin und her, und die Morgenfeuchtigkeit verleiht dem Holz Schluepfrigkeit und mir besonders schlechte Trittsicherheit. Faengt so eine Koenigs-Etappe an?

Als ich heil und trocken drueben ankomme, schnauf´ ich erstmal richtig durch. - Geschafft!





Und alles laeuft so ab, wie es mir der Amerikaner vorhergesagt hat:

Erst kommt der Sumpf, dann kommen die Geroellfelder, dann der Schnee, aber selbst in den Schnee-
Nischen blueht es hier und da.





Und als ich den hochliegenden Paso John Garner ueberschreite, kommt der Wind mit voller Wucht von vorne. Da kann´s schon mal passieren, dass es einen mit Rucksack in die Luft hebt.





Aber dafuer entschaedigt dieser Blick auf den beruehmten Grey-Gletscher.





Ob es mein schoenster Blick bislang war, weiss´ich nicht, dazu habe ich schon zu viele Panoramen gesehen. Aber mit Sicherheit gehoert der Ausblick von hier oben mit zur Spitzengruppe.

Berauscht von dieser Passueberschreitung werde ich einen Moment unkonzentriert und verliere die Weg-Markierungen aus dem Auge. Ich will wieder schnell nach unten flitzen, und ploetzlich habe ich mich verlaufen. Fast eine dreiviertel Stunde verliere ich, bis ich den richtigen Pfad wiedergefunden habe. - Mist!

Denn jetzt kommt eine weitere vorausgesagte Herausforderung: ein supersteiler Abstieg fast bis ins Tal.





Wenn dabei solche Metalleitern benutzt werden koennen, bin ich schon sehr froh. Aber das ist leider nicht immer der Fall. Einmal lasse ich zuerst meinen Rucksack einen Geroellhang nach unten rollen, bevor ich mich traue, ihm zu folgen.

Doch fuer´s Auge wird hier was geboten.






Denn immer wieder kann man durch die Baeume den in den See muendenden Grey-Gletscher sehen.





Das lenkt mich ein wenig von meinem heutigen 10-Stundentag ab. Doch irgendwann ist auch der zu Ende, und ich ereiche das Refugio Grey, wo ich mein Zelt zwischen vielen anderen aufschlage. Koennt ihr es erkennen?





Das Refugio Grey liegt idyllisch am Lago Grey, besonders morgens bei Sonnenaufgang,






und hier ist wieder richtig Touristenauftrieb, denn dieser Platz liegt im linken Bereich des sogenannten "W", aber davon spaeter.



5. Etappe
zum Campamento Italiano

Ich breche um 7.30 Uhr auf und darf eine Panoramawanderung auf einem Hoehenweg rechts oberhalb des Lago Grey geniessen.





Blau schimmernde Eisberge, die vereinzelt im Lago treiben, faszinieren mich.





Es sind Quader, die vom Rand des Grey-Gletschers abgebrochen sind.





Der
Grey-Gletscher liegt zwischen dem suedlichen Eisfeld und dem Lago Grey. Ich habe ihn oben vom Paso John Garner in voller Groesse gesehen.





Gegen 12 Uhr erreiche ich das schoen gelegene Refugio Pehoe. Dort treffe ich ein schweizer Paar, das mir vom naechstgelegenen Campamento Italiano erzaehlt. Gefaellt mir: mit Gletscherblick!

Kurz daraud komme ich mit einem ebenfalls netten tschechischen Paar in Kontakt, dem ich von meiner Weltreise erzaehle. Die beiden schwaermen von ihrer zurueckliegenden Vietnamreise. Beim Abschied traegt mir der sympathische Tscheche noch auf, die Maedels auf Tahiti von ihm zu gruessen. Ich frag´ihn, ob die sich denn noch an ihn erinnern wuerden, und er sagt:"Sure!"

Seine Frau/Freundin laechelt dazu.

Ich entschliesse mich, bis zum
Campamento Italiano weiterzugehen. und bevor ich dies erreiche, sehe ich schon den Eingang ins Bergtal des Valle Frances.





Der Anblick der Bergschlucht ist grandios.





Mit Gletscherblick! Dort werde ich mich heute und morgen aufhalten.



6. Etappe vom Campamento Italiano aufwaerts im Valle del Frances

Die heutige Wanderung berg
aufwaerts ist der mittlere Strich der sogenannten "W-Wanderung" (klein gepunktete Linie).

Es ist die Kurzform des "Cirquito", den ich rechts im unteren Bild
(dick gepunktete Linie) im Gegenuhrzeigersinn begonnen habe .




Zurueckschauend talabwaerts sieht´s bald so aus:





Und bergaufwaerts so:





Ich erreiche bald das hochgelegene Campamento Britanico und danach einen Mirador, einen Aussichtspunkt mit schoenem Blick.





Jetzt soll´s noch hoeher gehen. Viele kehren hier wieder um, aber ich moechte noch zu den hochgelegenen Schneefeldern.





Und am oberen Schneefeldrand angekommen, gibt´s erstmal eine Essenpause.





"And the wind begins to howl."

Und danach geht´s mit grossen Schritten wieder die Schneefelder bergab.

Neben mir sehe ich dies:





und auch das:






Und diese beiden treffe ich auf meinem Rueckweg kurz hinter dem Mirador.






Zwei sympathische Frankfurter: Roswita ist EDV-Schnittstellenberaterin bei einer Bank. Markus ist Software-Berater bei einer DB-Tochter, jedenfalls wird er nach dem Urlaub dort anfangen.

Ich habe Markus und Roswita schon im Refugio Dickson auf der anderen Seite des "Cirquito" getroffen. Nach meiner Schaetzung wird der Cirquito nur von ca. 10% der Gesamtbesucher von Torres del Paine bewandert. Die anderen machen entweder "nur" das W oder lassen sich auf einer "Full-day-Paine-Tour" mit einem Bus zum Parkeingang bringen, gehen eine halbe Stunde spazieren und fahren dann wieder zurueck.

Und von den 10%
Cirquito-Trekkern sind wiederum nur ca. 5-10% Frauen. Als Hut ab, Roswita!

Beide waren auch schon auf Kajaktour im Pumalin-Fjord, kennen die Nationalparks Conquillio, Puyehue und eben Torres del Paine und wollen wie ich auch noch zur Osterinsel fliegen. Wer hat als "Normalo" schon wie die beiden 6 1/2 Wochen Urlaub?

Aber gibt´s hier ueberhaupt Normalos? Die beiden jedenfalls sind von ihrem Urlaub begeistert.



Das kann ich gut nachvollziehen.



Hasta la vista
Wolfgang

1 Kommentar:

Sabina hat gesagt…

Hallo Wolfi,
wirklich grandiose Bilder von dir zu Weihnachten. Die Bergforma-tionen erinnern mich sehr an die mystische Festung Sigholt.(aus dem neunbändigen Fantasy-Roman "Unter dem Weltenbaum" von der Austra-lierin Sara Mc Douglass, den Wolfgang u. ich uns gegenseitig mit nie nachlassender Begeister-ung!!! jahrelang vorgelesen haben.)

Folgende Haikus werden dir zeigen, wohin mich mein Weihnachtsspazier-gang geführt hat, nicht ganz so grandios und doch immer und immer wieder schön. Du darfst nur einmal raten!!

Die schwarzen Angus
grasen auf der Anhöhe.
Frau in rot, mit Hund!

alternativ:
Die schwarzen Angus
grasen auf der Anhöhe.
Denken an Heiner!

Zwei blaue Bänke -
Pferde galoppieren vorbei.
Auf dem Gras Rauhreif.