13. Dezember 2008

EIN LANGER WEG

Wieder auf Reisen,
Landschaften fliegen vorbei,

wird ein langer Weg.





Als Spaetaufsteher verabschiedet sich Matthew, der neuseelaendische Jazzgitarrist schon am Abend vorher und wuenscht mir "a good trip".


Es wird auch ein guter Reisetag. Ich verlasse die Insel Chiloe und dank Jose Mansillas fruehem Fruehstueck kann es
mit einem Pullman-Bus um 7 Uhr schon losgehen und zwar fuer den Spottpreis von umgerechnet 38 €.





Aber die Fahrt wird lang, sehr lang. Ich befinde mich "erst" ca. 1300 km suedlich von Santiago. Jetzt geht´s nochmal 2000 km mit der Linie Cruz del Sur weiter nach Sueden. Aber das ist alles nur Luftlinie, denn die Fahrt fuehrt in weitem Bogen ueber Argentinien,
vorbei an Scholila, wo sich vor etwa 100 Jahren die "2 Banditen" Butch Cassidy und Sundance Kid erfolgreich vor der





nordamerikanischen Strafverfolgung versteckten, weit ´rueber zum anderen Ozean, dem Atlantik. 35 Stunden wird diese Busfahrt dauern. Schon nach 2 Stunden ging´s mit der "cruz del sur-eigenen" Faehre auf´s Festland.





Chiloe ade
und danke, virgencita, dass ich von der magischen Insel entkommen durfte.


Im Bus komme ich mit diesem Herrn in´s Gespraech, der mir irgendwie sympathisch ist.





Er heisst Mauricio Dasse Brauning und ist deutschstaemmig, aber in Chile geboren. Als er hoert, dass ich aus Deutschland komme, beendet er unsere englisch-spanische Konversation und moechte nur noch deutsch mit mir sprechen.


"Wie alt sind Sie, Mauricio", frage ich neugierig. "Vierunfuenssig", antwortet er, und ich stutze und ueberpruefe meine Recherche:"Und in welchem Jahr wurden Sie geboren?" - "Neunssehnhundertvierunvierssig." Mir geht ein Licht auf, dass er sich nicht aus Eitelkeit, sondern aus mangelnder deutscher Zahlenkenntnis 10 Jahre juenger gemacht hat.




Waehrend der langen Busfahrt flammt unser Gespraech immer wieder auf, und ich erfahre hoechst interessante Dinge von ihm:

-z.B., dass sein Urgrossvater "Dasse" aus Berlin stammte und seine Urgrossmutter "Brauning" aus Stuttgart (ich liebe diese nord-sued-connections). Dieses deutsche Gruenderpaar kam im vorletzten Jahrhundert ueber den Hafen Valdivia nach Chile. Sie folgten der grossen deutschen Einwanderungswelle, die etwa um 1850 begann.





Auch Sabinas Urgrosseltern, die Tafelmachers, landeten per Schiff in Chile, allerdings im groessten Hafen Valparaiso und erst 1889. Sie wollten nur wenige Jahre in Santiago bleiben, da Prof. Tafelmacher dies seiner Mutter versprechen musste. Doch als diese starb, wurden aus den wenigen Jahren fast 15 glueckliche und abenteuerliche Jahre.




Kurz vor meiner Reise las ich das hoechstspannende Tagebuch von Sabinas Urgrossmutter. Darin beschreibt sie,


-wie ihr Mann als "beliebter"Professor an der Universitaet von Santiago Vorlesungen hielt,

-wie gross diese Stadt sei mit Hunderttausenden von Einwohnern (heute 5-6 Mio.),

-wie heiss es dort im Sommer (Mitte Dezember - Mitte Februar) sei,

-wie sie waehrend dieser Zeit immer auf ihren weit suedlich gelegenen Landsitz geritten seien,

-wie gluecklich vor allem die Kinder "auf dem Lande" waren und wie sie quengelten, wenn`s danach wieder zurueck nach Santiago ging,





-wie eine bedrohliche Revolution in Santiago, die sich auch gegen Deutsche richtete (kurioserweise aber von einem deutschen General angefuehrt wurde) buchstaeblich (und kurz vor Tafelmachers Haus) im Regen endete, da Chilenen weder gerne im Regen arbeiteten, noch Revolution machten. Getreu dem Motto: Bei Schlechtwetter faellt die Revolution aus,




-wie ihre Tochter (Sabinas Oma) an einem Abend unbedingt im Bett ihrer Eltern schlafen wollte und alle Versuche, dies abzuwimmeln scheiterten, weil das Kind so hartnaeckig blieb,

-und wie in der Nacht ein Erdbeben das Haus erschuetterte und sich ein grosser Holzbalken von der Decke des Kinderzimmers loeste, auf das Kinderbett fiel und das Kind erschlagen haette, wenn es auf seine Eltern gehoert haette.

-Oft aeusserte die durch Klarheit und Hartnaeckigkeit Gerettete selbst als betagte alte Dame, dass sie noch einmal ihr Geburtsland Chile wiedersehen wolle. Dieser Wunsch erfuellte sich bis zu ihrem Tode jedoch nicht mehr.





Zurueck zu Mauricios Grossmutter:

Die ebenfalls in Chile Geborene beharrte zeitlebens darauf, statt Spanisch innerhalb der Familie nur Deutsch zu sprechen. Das aenderte jedoch nichts daran, dass alle ihre Enkelinnen und Enkel (wie Mauricio) chilenische Partner heirateten und nur noch Spanisch miteinander sprachen.

Mauricios Kinder konnten auf der Deutschen Schule teilweise Deutsch als Fremdsprache "zuruecklernen", empfanden das aber als Mehrfachbelastung, da saemtliche Faecher in Deutsch unterrichtet wurden und sie keine Vorkenntnisse aus dem Elternhaus hatten. So ist der Trend ruecklaeufig, und "Deutschsprechen" ist ein Auslaufmodell bei juengeren Generationen.





Selbst Mauricio muss bei mir nachlernen, aber da helf` ich doch gerne und ihm gefaellt`s.

Er fragt mich, ob ich die Geschichte des deutschen Kriegsschiffs Graf Spee kennen wuerde. Ich verneine.




Gegen Ende des 2. Weltkrieges haette sich die Graf Spee noch auf Feindfahrt um den suedamerikanischen Kontinent befunden. Auf dem Weg entlang der Kueste Argentinien hoch nach Uruguay wartete kurz vor Uruguay ein starker englischer Flottenverband mit weit ueberlegener Feuerkraft. Der deutsche Kapitaen wiedersetzte sich dem Befehl Hitlers, bis zum letzten Mann zu kaempfen und liess alle in die Rettungsboote gehen.




So ruderte man den Englaendern entgegen, und gleichzeitig explodierten die Sprengsaetze auf der zurueckgelassenen Graf Spee. Deutsche Militaertechnik sollte nicht in Feindeshand fallen. Der Kapitaen erschoss sich, weil er sein Schiff aufgegeben hatte. Aber dadurch hatte er seine Maenner gerettet. Sie ueberlebten in der Gefangenschaft, und viele von ihnen kehrten nach Kriegsende nicht nach Deutschland zurueck, sondern blieben in Chile. Einer der Schulfreunde von Mauricio war der Sohn eines Graf-Spee-Matrosen.




Zu guter Letzt erfahre ich noch, dass der Sueden Patagoniens einmal komplett zu Chile gehoerte. Zur Zeit der Kriege gegen Peru und Bolivien, als Chile im Norden "Landgewinn" betrieb, wollte man einen 2-Fronten-Krieg vermeiden und ueberliess Argentinien kampflos Teile der "wertlosen" Pampas im Sueden. Spaeter wurden dort in Kuestenregionen einige umfangreiche Petroleumvorkommen entdeckt. Pech gehabt, Chile!




Heute verlaeuft die Grenze entlang der hoechsten Punkte der Andenkordilleren.




Als wir nach ueber 30 Stunden gemeinsamer Fahrt Punta Arenas erreichen, verabschiedet sich Mauricio auf deutsch von mir und wuenscht mir eine gute Weiterreise.




Das kann ich brauchen, denn morgen frueh bereits werde ich Puntas Arenas, die suedlichste Kontinentalstadt der Welt erstmal wieder gen Norden verlassen.




Ich moechte naemlich nach Puerto Natales. Der Grund dafuer ist die bisher groesste Herausforderung auf meiner Reise: Torres del Paine.




Drueckt mir die Daumen dafuer!





Hasta la vista
Wolfgang

10. Dezember 2008

SCHOENE INSEL CHILOE

Schoen anzuschauen
und etwas angehuegelt

ruht sie sanft im Meer




Als der chilotische Fremdenverkehrsverband von meinem letzten Blog-Eintrag erfaehrt, fordert er von mir eine positive Berichterstattung. Man erwaehnt auch beilaeufig, Kuhscheisse haette eine aehnliche Heilwirkung wie Drachenblut, ich solle mir keine Sorgen machen.


Ja, das aendert natuerlich die Sachlage, mein rechter Fuss ist also fortan unverletzlich. Ich bin begeistert und berichte ab jetzt nur noch ueber Positives.


Z.B. von dem Drachen
in der Holzkkathedrale in Castro,





den der Erzengel Michael besiegt hat, weil der Drachen das Boese repraesentiert





und Michael das Gute. Keine Frage, auf wessen Seite ich als Heldenverehrer stehe, obwohl dieses Drachenblut ja sehr wohltuend wirkt, und ich aergere mich jetzt schon, dass ich nicht auch mit meinem rechten Knie in die Kuhscheisse gefallen bin. Kein Problemknie mehr!

Die Holzkkathedrale hier in Castro, der Hauptstadt der Provinz Chiloe, ist das beeindruckenste Zeugnis der Holzarchitektur auf dieser Insel






und wurde 1906 vom italienischen Architekten Eduardo Provasali aus Alerce-Holz gebaut und aussen mit duennem Blech verkleidet.






Aussen wie gesagt duennes Blech, aber innen reines Holz, und das sieht dann so aus:





und auch so:





Bei den beiden obigen Aufnahmen faellt ein himmlischer Lichtstrahl von rechts oben zur Mitte unten ins Bild. Ein seltsames Gefuehl durchrieselt mich, fast stockt mir der Atem.



Zurueck zum Weltlichen: Ich zeige euch erstmal meine Hostals aus Ancud:






Oben das Vista al Mar, wo ich mit Pierre, einem franzoesichen Klimaforscher (hatte in Santiago einen Klimakongress besucht) das Zimmer teilte.





Und hier oben das vielbesuchte und teure Mundo Nuevo, von dem ich aus einem der oberen Zimmer das beste Fernsehprogramm seit langem hatte:
































Sonnenunter- und Laternenaufgang in der Bucht von Ancud. Das alleine war jeden Peso wert. Und natuerlich die schoene Pazifikbuchtatmosphaere.






Und irgenwann ging´s zu den Pinguinen,





wo jeder von uns eine rote Schwimmbeste verpasst bekam und nach den Pinguinen Ausschau hielt.




z.B. der junge Amerikaner aus Oregon, der nach 3 Jahren Arbeit im Fahrrad-Verkaufsbusiness erstmal ein knappes Jahr Suedamerikaurlaub mit seiner Freundin machen moechte.


Oder Andres aus Ecquador, der uns alle mit diesem Kopfsprung in den Pazifik beeindruckte






und als er schon bald wieder herauskam und sich erstmal setzte, fragte ich unseren Schiffsfuehrer:





"Handelt es sich bei ihm um einen Humboldt- oder einen Magellanpinguin?" Dieser grinste kurz und meinte dann: "Magellan, weil er so kurz ist."


Natuerlich haben wir auch echte Pinguine gesehen,





z.B. diese Burschen hier oder auch einen Pelikan.





Ihr koennt euch erinnern, der bei den Saltos de la Laja keinen Zutritt hatte. Na ja, hier ist es ja auch angenehm.





Zurueck in Ancud sieht die "Plaza de Armas" ("Platz der Waffen" heisst hier uebrigens fast jeder zentrale Platz in einem Ort) wieder mal richtig friedlich und zum Relaxen einladend aus.





Ich finde, das ist jetzt ein positiver Bericht ueber Chiloe geworden.








Hasta la vista

Wolfgang

6. Dezember 2008

MAGISCHES CHILOE

Magisches Chiloe,
Heiliges, Unheiliges
dicht beieinander.





Als Manuel aus Santiago beim Fruehstueck erfaehrt, das ich aus Hamburg bin, meint er goennerhaft, der HSV stuende ja ganz ordentlich da und fragt mich, ob die TSG Hoffenheim wirklich so gut sei (fuer die Fussballunkundigen: Dies bedeutet, dass deutsche Sportereignisse gelegentlich auch von nicht deutschstaemmigen Chilenen ueber die mehrsprachige Deutsche Welle aufmerksam verfolgt werden. TSG Hoffenheim ist derzeit Tabellenfuehrer der deutschen Fussballbundesliga).


Am Busbahnhof von Osorno fragt mich Franzisco, ein Jurastudent, ob ich mir das mit Chiloe auch gut ueberlegt haette. Ich solle doch lieber die Kuestenkordilleren bis zu seinem schoenen Heimatort Valdivia
nordwaerts reisen. (Spuere ich da ein Zweifeln in mir? - Nein, es soll nach Sueden gehen!)

Als sich auf der Bahia de Ancud die Nebel lichten, verlassen viele von uns den Bus und gehen an Deck der Faehre. Was ist so magisch an Chiloe? Sollen dem Minotaurus dort etwa diese Jungfrauen als Opfergaben dargebracht werden?





Nein, Unsinn, dort gibt es keinen Minotaurus. Den gab`s nur auf Kreta. Ich hoere aber, dass es ein anderes Wesen gaebe, das es auch faustdick hinter den Ohren habe.


Chiloe
, die zweitgroesste Insel Chiles, liegt im Pazifik. Das Christentum hat es hier trotz der vielen und schoenen Kirchen nicht leicht. Die Einheimischen erzaehlen lieber von Hexen und Zwergen. Z.B. vom Trauco spricht hier jeder:





Dieser pfiffige Troll entfuehrt angeblich Jungfrauen. Weil er mit seinen 80 cm sehr uebersichtlich ist, verfallen vor allem juengere Maedchen seiner ungeheuren sexuellen Anziehungskraft (auf Youtube kann man uebrigens Trauco-Filmchen gucken).


Wenn
frau hier irgendetwas "passiert", dann sagt man: "Das war wieder der Trauco!"

Hier wohnt er, der Trauco:




"Voladores", fliegende Hexen treiben hier auch ihr Unwesen und auf See koenne man das Geisterschiff "El caleuche" mit seinen kugelartigen Segeln beobachten, sagen Eingeweihte.





Solche und aehnliche Sagen werden auf Chiloe von Generation zu Generation weitergereicht.

Als seemannsgarnerprobter Hanseat bin ich ja Stories gewohnt. Und im Hamburger Hafen heissen die Barkassenfuehrer fuer Hafenrundfahrten grundsaetzlich "He luecht!" (Er luegt!). Ich weiss also Bescheid.

Trotzdem will ich dem chilotischen Spuk ein fuer alle Mal ein Ende setzen und besuche El Carmelo, ein Sanktuarium der Heiligen Jungfrau Maria.

Schon auf dem Weg dorthin begegne ich abgeschnittenen Fischkoepfen.





Auch die Hunde hier scheinen kein Schappi zu bekommen, einen seh´ich mit ´nem ganzen Schafskopf im Maul.




Vor der Heiligen Jungfrau Maria haben Unzaehlige um etwas gebeten und spaeter schriftlich ihre Dankesbezeugungen hinterlassen.




"Gracias, virgencita, por favor concedido." Ist ueberall zu lesen.
( = Danke, liebe Jungfrau, dass du mir meine Bitte erfuellt hast.)



Ich meditiere lange an diesem Ort und irgendwann fluestere ich: "Liebe Maria, lass´mich wieder heil und gesund von der Insel ´runterkommen."


Auf dem Rueckweg wandere ich durch eine schoene Bergregion. Ich fuehle mich schon wieder viel besser.

































Ploetzlich stehe ich vor einem Kuhfladen:






Koennen diese Kuhfladen luegen? Nein, die luegen nicht. Dieser hier sieht aus wie ein Fladen, der vor vielen Wochen die Kuh verlassen hat, und inzwischen knueppelhart ist. Also bin ich mal kurz drauf.

Oh, nooooo! Ich sinke ein. Etwas Dunkelgruenes durchdringt meine rechte Sandale, verteilt sich links und rechts, ueber und unter meinem Fuss. Ich stehe in fluessiger Kuhscheisse.

Warum musste ich auch nur? Die magischen Tricks hier machen einen fertig. Nichts ist so, wie es scheint. Diese Insel Chiloe
ist wirklich extrem gefaehrlich!





Hasta la vista
Wolfgang




2. Dezember 2008

AUF DEN PUYEHUE

Bin mal nicht gerutscht,
sondern mit langen Schritten
vom Vulkan getanzt.




Um 10.30 Uhr faehrt ein Bus von Osorno ueber den Ort Puyehue entlang des Sees Puyehue bis zum Vulkan Puyehue. Diesen Dreierpack kenne ich schon vom Villarica. Wo auch immer man hier ist, man wird voruebergehend zum Lokalpatrioten. Zum Glueck habe ich heute nur einen Rucksack dabei, denn was ich nicht brauche,
bleibt im Hostal. Ausserdem plane ich ja nur eine 2-Tagestour.

Aussteigen muessen wir in Anticura, wenige Kilometer vor der Grenze nach Argentinien. Mit mir verlassen 2 Amerikanerinnen den Bus. Auch sie wollen offensichtlich Richtung Volkano. Vorher muessen wir uns noch registrieren lassen und Eintrittsgeld bezahlen. Die Registrierung dient auch der Sicherheit des Wanderers, denn wer sich nicht wieder austraegt, nach dem wird bald gesucht.





Von den beiden Amerikanerinnen bleibt Amy schnell auf der Strecke. Wegen einer Entzuendung an der Achillessehne entscheidet sie sich, mit dem Bus wieder nach Osorno zurueckzufahren. Jess(ica) und ich pilgern also erstmal alleine los. Sie ist Soziologie-Studentin aus Massachusetts und kommt urspruenglich aus Boston.




Erst geht´s gemuetlich ueber Weideland,





dann muessen bald solche haesslichen Rinnen bergauf gekraxelt werden. Sie hoeren kaum auf.





Insgesamt sind 1000 Hoehenmeter in dreieinhalb Stunden zu bewaeltigen. Doch dann erreichen wir das Refugio von CONAF




und bauen vor einem zweiten, aelteren Gebaeude unsere Zelte auf.





Von diesem "Basislager" kann man bestens den Vulkan Puyehue sehen, den ich besteigen moechte.




Die Hollaender Johan und Aad aus Amsterdam sind schon hier oben und begruessen uns. Endlich treffe ich auch mal etwas aeltere Herrschaften (Johan fand sich aber keineswegs alt): Beide sind gerade "retired" mit ihren 65 Jahren, und wollen ebenfalls 2 Monate in Chile bleiben. Richtig nette Typen!

Noch am spaeten Abend kommt ein junges deutsches Paar vom Vulkan herabgestiegen: Jan und Sarah, die in Stuttgart arbeiten, aber urspruenglich aus Dresden und Cottbus sind. Sie ueberbringen die schlechte Nachricht, dass ein Weiterwandern ueber die Puyehue-Traverse zu den heissen Quellen von El Banjo wegen teilweise huefttiefen Schnees leider nicht moeglich sei. Aaad, Johan und Jess sind bedient, da sie genau diese Mehrtagestour machen wollten. Jetzt erwaegen sie, wie ich, "nur" die Vulkanbesteigung zu machen.

Bevor die Sonne untergeht, klettere ich schon mal auf einen naheliegenden "Hausberg" und schaue mir von dort beachtliche Panoramen an.




Alle bereits bekannten Vulkane kann man von hier wieder sehen: den Osorno, den Tronador usw.




Und auf der Wasseroberflaeche spiegelt der See Puyehue die untergehende Sonne.

Nach und vor einem anstrengenden Tag moechte jeder bei Anbruch der Dunkelheit zeitig seinen Schlafsack aufsuchen.




Am naechsten Morgen verpasse ich den Sonnenaufgang um ein paar Minuten, und schon ist die Sonne so hell, dass ich nur noch meinen Schatten fotografieren kann.




Jan war etwas frueher dran, aber dafuer hatte ich schon meine Tasse Kaffee.




Als er hoert, dass ich auf meiner Reise auch nach Tasmanien moechte, gibt er mir noch ein paar tolle Tipps mit auf den Weg, denn er und Sarah begeben sich jetzt auf den Rueckweg.


Da die beiden Hollaender noch in ihren Kojen liegen, machen Jess und ich uns kurz nach 7 Uhr alleine auf zum Vulkan Puyehue. Ich lass´meinen Rucksack unten, moechte endlich mal leicht wie ein Vogel sein. Nur die Stoecke nehme ich mit.





Der Aufstieg geht besser als ich dachte. Meine Villarica-Erfahrung hilft mir sehr, die richtigen Schritte zu machen. Jess jedoch hat Probleme, je hoeher wir kommen.




Ein paar hundert Meter vor dem Gipfel dreht sie um, weil ihr der Schnee zu hart wird. Sie ruft mir zu: "The wind begins to howl" (wie schon Jimi Hendrix bemerkte), "so I get shy for going up".

Fuer mich ist der Aufstieg noch in Ordnung, aber jetzt sind meine Stoecke Gold wert. Bald bin ich oben.





































"Unrasiert und fern der Heimat", aber happy und eben oben auf dem Vulkan Puyehue bei besten Sichtverhaeltnissen, was in den naechsten Tagen nicht so bleiben wird.




Und der Blick in den Krater sieht so aus:




Nach relativ kurzer Zeit habe ich den fantastischen Rundblick auf die mir bekannten Vulkane der Umgebung getan und staunend genossen ("Staun-Level" liegt bei 10 von 10 moeglichen Punkten). Jetzt geht´s wieder bergab. Diesmal mit langen Schritten und eben ohne Rucksack, wie ein Vogel, deshalb ist es wie Fliegen, zumindest wie ein Tanz.

Und bald darauf erreiche ich Jess und wir steigen gemeinsam weiter ab.





Kurz nach 10 sind wir zurueck im Basislager. Johan und Aad sind offensichtlich auf einem anderen Pfad als wir bereits Richtung Vulkan unterwegs, denn ihre Sachen sind noch im Refugio.

Kurz darauf erscheint ein junger Amerikaner auf der Bildflaeche, und ich hoere Jess nur noch lachen, schnattern und prusten. Es stellt sich heraus, dass die beiden nicht nur auf der selben Uni sind, sondern auch die selbe Schule 1 Jahr zeitversetzt besucht haben.
Nachdem ich noch ein Foto von den beiden
(mit dem Vulkan im Hintergrund) fuer die Schuelerzeitung machen darf, haben sie bereits ihre Rucksaecke aufgeschnallt und machen sich vom Acker. War was?

Unten an der Strasse treffe ich Jess wieder. Ihr amerikanischer Schulfreund ist schon wieder "ueber alle Berge". Sie will wie ich mit dem Bus zurueck nach Osorno. Als in die entgegen gesetzte Richtung ein Bus nach Bariloche vorbei kommt, haelt Jess den kurzerhand an, nimmt ihre Klamotten, verabschiedet sich knapp, und schon seh´ich nur noch dies:



Warum nicht einfach in die andere Richtung, warum nicht Bariloche? So sind sie hier die jungen Leute: spontan + frei. - Irgenwie auch gut, aber gleich so radikal?

Da mein Bus auf sich warten laesst, nimmt mich der Chilene aus der
Registrierstelle des Nationalparks (eigentlich ein Restaurant) in seinem Pickup mit nach Entre Lagos. Wir hoeren u.a. Chopin und Tschaikowski. Er heisst Miguel Angel und ich erzaehle ihm die Geschichte aus Irland, wo der Erzengel Michael eine Landebahn namens Skellig Michael unterhaelt (eine kleine Insel, auf der um 800 ein Kloster errichtet wurde). Das findet Miguel Angel spannend und da er ja irgendwie auch ein Engel ist, setzt er mich genau an der lokalen Busstation ab. Bereits zehn Minuten spaeter sitze ich empanadakauend in meinem Bus zurueck nach Osorno.






Hasta la vista
Wolfgang